Lapidare Begründung der Polizeiaktion im Morgengrauen: Richter Werner Dietz zog eine von Besa abgegebene Vermögensauskunft in Zweifel.
Beschlagnahmt wurden neben privaten Unterlagen vor allem Buchhaltungsunterlagen der Gruppe Normahl sowie Gastspielverträge, welche laut Besa jederzeit auch so einsehbar gewesen wären. Lars Besa sieht in dieser, laut eigener Aussage in "Gestapo-Manier" durchgeführten Aktion einen vorläufigen Höhepunkt staatlicher Repression, die seit der Neugründung der Gruppe Normahl im Jahre 2001 wieder ständig zunimmt. Gegen den Musiker waren in den 80er und 90er Jahren zahlreiche Verfahren wegen angeblich staatsfeindlicher Äußerungen anhängig.
Nicht nur juristische Kreise sehen in diesem Vorfall einen echten Skandal. Besas Anwalt, Rechtsanwalt Dr. Ulmschneider aus Stuttgart: "Diese willkürliche Anordnung ist grob unverhältnismäßig und völlig ungeeignet, da mein Mandant bereits alle Angaben zu seinen Einkünften gemacht hat. Er wäre im übrigen jederzeit zu weiteren freiwilligen Auskünften bereit gewesen, wenn das Gericht diesen Wunsch nur geäußert hätte".
Gegen den zuständigen Richter Werner Dietz will Dr. Ulmschneider Dienstaufsichtbeschwerde einlegen und diesen wegen Befangenheit ablehnen. Der Richter hatte unter anderem bereits 1999 für negative Schlagzeilen gesorgt: Seine umstrittene Prozessführung in einer Verkehrsrechtssache gegen den dunkelhäutigen VfB-Fussballspieler Pablo Thiam ließ die Waiblinger Kreiszeitung damals bereits kräftig spekulieren. "...war’s das Tempo oder die Hautfarbe?"
Punkmusiker Lars Besa jedenfalls gilt als bekannter Schreiber und Interpret vieler antifaschistischer Songs und hat sich unter anderem als Mitbegründer und Initiator einer der ersten Anti-Rassismus-Kampagnen in Deutschland einen Namen gemacht. Mit seiner Band Normahl, die als Deutschlands dienstälteste Punkband gilt, veröffentlichte er jüngst ein hoch gelobtes Album zum 25jährigen Bandjubiläum. Titel: "Das ist Punk".
Quelle: http://www.normahl.de




