THE NÖ

Interview

THE NÖ

Band
The Nö
Datum
18.06.2026
Autor
Frank

F:  Herzlichen Glückwunsch zum Album “Unerhört“. Wie sind die Rückmeldungen             auf das Album und stellt ihr dieses auch live vor?

TN: Moin und Vielen Dank! Die Resonanz auf das Album ist durchweg sehr positiv. 

       Immer wenn irgendwo eine Rezession zur neuen Platte erscheint, kommen direkt danach Bestellungen über unsere info@thenoe.de Adresse rein. Viele Rezis scheinen anscheinend eine gute Kaufempfehlung zu sein. Kannten wir bisher so nicht. Daher auch ein fettes Danke – natürlich auch an dich – und an alle SchreiberInnen für die sehr tollen Zeilen zum Album. Live wird es das ganze auf einer Tour im Herbst zu sehen und zu hören geben.

F.  Wie kam es dazu, dass Ihr euer Album auf Flat Daddy Records, einem Sublabel

      von Pork Pie veröffentlichen konntet?

TN: Matzge kennen wir seit fast 30 Jahren. Er hatte uns ja auch in den letzten

       15 Jahren von No Life Lost als Label und Verlag begleitet und immer toll unterstützt. Als wir mit The NØ! 2019, 4 Jahre nach der Auflösung eine Art Spaß–Coverband von No Life Lost gründeten, war Matzge wieder an unserer Seite und es war sofort klar das wir irgendwann wieder ein Album bei ihm veröffentlichen werden. Hat dann allerdings doch noch bummelige 4 Jahre gedauert. Dafür kamen gleich 2 Alben innerhalb von 14 Monaten. "Melodien für Momente" im Dezember 24 und "UNERHÖRT" im Februar 2026.

F:  Ihr seid ja quasi aus der Asche von No Life Lost entstanden. Was ist von THE

       NÖ aber tatsächlich neu? Anderer Sound?

TN: In erster Linie die Besetzung. Eigentlich sind nur noch Mole und Ich (Tim)

        aus der alten Formation übergeblieben. Wobei Mole auch noch die Transformation vom Saxophonisten zum Gitarristen vollzogen hat. Die anderen sind auch keine unbekannten und haben schon bei vielen anderen berühmten Hamburger Bands ihre Spuren hinterlassen.
Der Sound ist etwas "punkiger" geworden....mhh, aber wenn ich es recht überlege stimmt das ja so überhaupt nicht! Anders formuliert: Der Sound sollte eigentlich punkiger werden, hat aber dann nur teilweise geklappt. Sludge Metal oder Bossa Nova etc. sind ja dann doch kein Punk! Einigen wir uns doch auf:

Der Sound ist anders ?

F: Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen und vor allem auf das O mit dem Strich

      durch, was sich auf normalen Tastaturen nicht  tippen lässt

TN: Zum einen hat schon mein Vater gesagt: Jeder gute Musiker muss zumindest

        einmal in seinem Leben in einer "The"- Band gespielt haben. Fehlte mir noch...naja und "Nö" ist eine meine Lieblingsantworten auf viele mir gestellten Fragen. Zum anderen...Ja- tut uns wirklich leid, dass wir durch diese Schreibweise bei so vielen für Ärger sorgen. Hatten wir vorher nicht dran gedacht. Haben auch schon ordentlich Mecker vom Label und vom Vertieb dafür bekommen. Nicht nur das sich das Ø so schlecht auf der deutschen Tastatur findet, es ist quasi auch nicht möglich The NØ! bei den herkömmlichen Suchmaschinen vernünftig zu bewerben oder gar mit unserer Schreibweise in den üblichen Musikkatalogen unter zu bekommen. Dabei war die Idee mit dem Ø eigentlich nur als Reminiszenz an dann dänische Altona gedacht (Altona war 1710 nach Kopenhagen die zweitgrößte dänische Stadt).

Vielleicht nicht so eine gute Idee, aber anscheinend sind wir da wohl Werbetechnisch echte Trendsetter gewesen. Das Ø ist ja immer häufiger bei diversen Produkten (Milch, Hautcreme, Möbel (nein, nicht die aus Schweden)) ein gern gesehenes Stilmittel. Vielleicht gibt es deswegen ja bald auch eine eigene Taste für dieses formvollendete, schöne Ø! Könnte doch gut sein!

F:  Ihr kommt aus Hamburg-Altona. Oft hört man als Außenstehender nur, dass auf

      St. Pauli viel Subkultur ist. Wie ist die Situation in Altona aktuell?

TN: Leider ist das Entwickeln oder auch nur der Bestand einer gesunden guten

       Subkultur wie in jeder größeren Stadt auch auf St.Pauli oder in Altona aufgrund von Gentrifizierung und die dadurch entstandenen BewohnerInnen-struktur und städtebaulichen Veränderungen mittlerweile sehr schwierig bis unmöglich. Hamburg ist für junge Menschen die Subkulturen entwickeln und leben nicht mehr bezahlbar. Ich weiß auch gar nicht, ob die (Musik-)Szene in der wir uns bewegen sich heute überhaupt als Subkultur bezeichnen darf. War sicher mal in den 80ern so, heute ist doch Punk und Ska  im Mainstream angekommen. Ich glaube die heutigen wichtigen Subkulturen und ihre kreativen MacherInnen finden und entwickeln sich eher in den ländlichen Gebieten.

F:  Wie ist die Ska-Szene in Hamburg?

TN: Ich glaube lebendiger und gar nicht so Rentner-Mäßig wie viele denken. Ich

        bin immer wieder überrascht wie viele junge neue Ska Bands kommen um zu bleiben. Alle mit ihrem eigenem Sound und handwerklich gut gemachter Musik.  Die alten Musiker, siehe uns, werden wir ja auch noch nicht los....

F:  Wenn ich auf Ska-Konzerte und Festivals gehe, sehe ich kaum Nachwuchs. Wie

     ist da euer Eindruck? Gibt es neue, junge Ska-Bands die Ihr gut findet?

TN: Ich glaube das täuscht. Bei unserer Release Party im Hamburger Hafenklang

        Ende März zum Beispiel waren überraschend viele Leute unter 25 anwesend

       (na gut, das sind auch nicht unbedingt Teenager) die nicht unsere Kinder oder Enkel waren und sonst immer herhalten müssen um den Altersschnitt auf unter 50 zu drücken.

Nö, im Ernst, ich habe tatsächlich das Gefühl das in den letzten Monaten auffällig viele junge Menschen "unsere" Musik für sich entdecken.
Junge Ska Bands die wir gut finden? Gibt es einige, hervorzuheben sind darunter natürlich unsere jugendlichen Dorfskapunker Freunde von POMMESPANZER. Echt heißer Scheiss!

F: Ihr seid ja alle keine 20 mehr. Ich stelle mir das nicht so einfach vor, live

     spielen, Alltagsverpflichtungen erfüllen, fit genug für die Bühne sein… Wie

     schafft Ihr das?

TN: Unsere Altersspanne reicht momentan von 35 - 58, also gesundes Mittelalter

       oder verglichen zu "The Skatalites" eine junge Nachwuchsband.

Natürlich ist das u.a. auch bei mir körperlich nicht mehr alles so rosig wie vor 40 Jahren. Allerdings waren die Pläne und das Auftreten der Band vor 40 Jahren im Gegensatz zu heute Grundverschieden. Damals haben wir mit No Life Lost jedes mögliche Konzert gespielt das wir konnten. Wir hatten so eine schöne "Scheißegal"-Haltung, Hauptsache Spielen, Saufen und Spaß! Geld war eigentlich nicht so wichtig, gab es aber auch und wurde sofort wieder für Equipment, Aufnahmen und diversen anderen Mist ausgegeben. Das ist natürlich heute nicht mehr so möglich. Die Gesundheit spielt da tatsächlich auch eine nicht unwesentliche Rolle. Auch der Traum mit der Musik ausreichend Geld zu verdienen ist vor etlichen Jahren beerdigt worden. Aber der Spaß an Livekonzerten ist geblieben und ist auch irgendwie ein bisschen wie eine Sucht. Live Konzerte sind und bleiben wichtig und wenn die nicht mehr möglich ist dann auch Schluss!

F: Wie sind eure Pläne für die Zukunft? Wo kann man euch live sehen?

TN: Erstmal gibt es endlich mal wieder einen Besuch bei unserem Lieblingsfestival This Is Ska in Roßlau (18.06.206-20.06.2026).

Dieses Mal allerdings nicht für 26 Auftritte (wie 2022) oder 7 (wie 2024) sondern nur 2 (Freitag und Samstag) werden halt nicht Jünger...
Im Herbst kommt unsere nächste Vinyl Single "Golfplatzhooligans" mit einer sehr coolen noch nicht veröffentlichten B-Seite bei Flat Daddy auf den Markt. Dazu gibt es noch ein schickes Video mit reichlich Musiker und Fußballer D-Prominenz am Start (darf ich das eigentlich so sagen?? oder machen die dann vielleicht nicht mehr mit....na gut wir werden sehen)
Im Herbst/ Winter geht es auf Tour und dann Anfang 2027 wieder ins Studio, um das nächste extrem gute Album aufzunehmen.

Wenn Musiker sich zu einer Band zusammenfinden, gemeinsam auf der Bühne stehen, sich dann aber aus mannigfaltigen Gründen trennen, steht man vor der Frage "Weiter machen" oder "Das Instrument an den Nagel hängen". Einige Menschen schaffen das, sich von der Musik zu entfernen. Viele Menschen die mal Musik gemacht haben, können das nicht lange. Dann juckt es in den Fingern und dann wird wieder los gelegt. Manche nur für sich. Andere zusammen im Proberaum und einige wollen wieder auf die Bühne. So geschehen mit NO LIFE LOST.

Aus dieser bekannten Hamburger Band wurde THE NÖ. 

THE NÖ, eine Band die Ska, tanzbare Melodien, Punkrock und ein bisschen Pop zusammenmischen. Herausgekommen ist eine interessante Mischung, die sich hören lassen kann. Die Single zum Album sowie das neue Album wurde bei ramtatta.de besprochen unter:

SINGLE: DAS LEBEN IST SCHÖN

https://ramtatta.de/reviews/10843/the-no-das-leben-ist-schoen

ALBUM: UNERHÖRT - IHRE BESTEN SONGS BIS JETZT

https://ramtatta.de/reviews/10950/the-no-unerhort-ihre-schoensten-songs-bis-jetzt

Die Band hat sich freundlicherweise bereit erklärt, mir ein bisschen HZeit zu schenken und ein paar Fragen zu beantworten.

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