F: Herzlichen Glückwunsch zum Album “Unerhört“. Wie sind die Rückmeldungen auf das Album und stellt ihr dieses auch live vor?
TN: Moin und Vielen Dank! Die Resonanz auf das Album ist durchweg sehr positiv.
Immer wenn irgendwo eine Rezession zur neuen Platte erscheint,
kommen direkt danach Bestellungen über unsere info@thenoe.de Adresse
rein. Viele Rezis scheinen anscheinend eine gute Kaufempfehlung zu sein.
Kannten wir bisher so nicht. Daher auch ein fettes Danke – natürlich
auch an dich – und an alle SchreiberInnen für die sehr tollen Zeilen zum
Album. Live wird es das ganze auf einer Tour im Herbst zu sehen und zu
hören geben.
F. Wie kam es dazu, dass Ihr euer Album auf Flat Daddy
Records, einem Sublabel
von Pork Pie veröffentlichen konntet?
TN: Matzge kennen wir seit fast 30 Jahren. Er hatte uns ja auch in den letzten
15 Jahren von No Life Lost als Label und Verlag begleitet und
immer toll unterstützt. Als wir mit The NØ! 2019, 4 Jahre nach der
Auflösung eine Art Spaß–Coverband von No Life Lost gründeten, war Matzge
wieder an unserer Seite und es war sofort klar das wir irgendwann wieder
ein Album bei ihm veröffentlichen werden. Hat dann allerdings doch noch
bummelige 4 Jahre gedauert. Dafür kamen gleich 2 Alben innerhalb von 14
Monaten. "Melodien für Momente" im Dezember 24 und "UNERHÖRT" im Februar
2026.
F: Ihr seid ja quasi aus der Asche von No Life Lost
entstanden. Was ist von THE
NÖ aber tatsächlich neu? Anderer Sound?
TN: In erster Linie die Besetzung. Eigentlich sind nur noch Mole und Ich (Tim)
aus der alten Formation übergeblieben. Wobei Mole auch noch die
Transformation vom Saxophonisten zum Gitarristen vollzogen hat. Die
anderen sind auch keine unbekannten und haben schon bei vielen anderen
berühmten Hamburger Bands ihre Spuren hinterlassen.
Der Sound ist etwas "punkiger" geworden....mhh, aber wenn ich es recht
überlege stimmt das ja so überhaupt nicht! Anders formuliert: Der Sound
sollte eigentlich punkiger werden, hat aber dann nur teilweise geklappt.
Sludge Metal oder Bossa Nova etc. sind ja dann doch kein Punk! Einigen
wir uns doch auf:
Der Sound ist anders ?
F: Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen und vor allem auf das O mit dem Strich
durch, was sich auf normalen Tastaturen nicht tippen lässt
TN: Zum einen hat schon mein Vater gesagt: Jeder gute Musiker muss zumindest
einmal in seinem Leben in einer "The"- Band gespielt haben. Fehlte mir noch...naja und "Nö" ist eine meine Lieblingsantworten auf viele mir gestellten Fragen. Zum anderen...Ja- tut uns wirklich leid, dass wir durch diese Schreibweise bei so vielen für Ärger sorgen. Hatten wir vorher nicht dran gedacht. Haben auch schon ordentlich Mecker vom Label und vom Vertieb dafür bekommen. Nicht nur das sich das Ø so schlecht auf der deutschen Tastatur findet, es ist quasi auch nicht möglich The NØ! bei den herkömmlichen Suchmaschinen vernünftig zu bewerben oder gar mit unserer Schreibweise in den üblichen Musikkatalogen unter zu bekommen. Dabei war die Idee mit dem Ø eigentlich nur als Reminiszenz an dann dänische Altona gedacht (Altona war 1710 nach Kopenhagen die zweitgrößte dänische Stadt).
Vielleicht nicht so eine gute Idee, aber anscheinend sind wir da wohl Werbetechnisch echte Trendsetter gewesen. Das Ø ist ja immer häufiger bei diversen Produkten (Milch, Hautcreme, Möbel (nein, nicht die aus Schweden)) ein gern gesehenes Stilmittel. Vielleicht gibt es deswegen ja bald auch eine eigene Taste für dieses formvollendete, schöne Ø! Könnte doch gut sein!
F: Ihr kommt aus Hamburg-Altona. Oft hört man als Außenstehender nur, dass auf
St. Pauli viel Subkultur ist. Wie ist die Situation in Altona aktuell?
TN: Leider ist das Entwickeln oder auch nur der Bestand einer gesunden guten
Subkultur wie in jeder größeren Stadt auch auf St.Pauli oder in Altona aufgrund von Gentrifizierung und die dadurch entstandenen BewohnerInnen-struktur und städtebaulichen Veränderungen mittlerweile sehr schwierig bis unmöglich. Hamburg ist für junge Menschen die Subkulturen entwickeln und leben nicht mehr bezahlbar. Ich weiß auch gar nicht, ob die (Musik-)Szene in der wir uns bewegen sich heute überhaupt als Subkultur bezeichnen darf. War sicher mal in den 80ern so, heute ist doch Punk und Ska im Mainstream angekommen. Ich glaube die heutigen wichtigen Subkulturen und ihre kreativen MacherInnen finden und entwickeln sich eher in den ländlichen Gebieten.
F: Wie ist die Ska-Szene in Hamburg?
TN: Ich glaube lebendiger und gar nicht so Rentner-Mäßig wie viele denken.
Ich
bin immer wieder überrascht wie viele junge neue Ska Bands kommen um zu bleiben. Alle mit ihrem eigenem Sound und handwerklich gut gemachter Musik. Die alten Musiker, siehe uns, werden wir ja auch noch nicht los....
F: Wenn ich auf Ska-Konzerte und Festivals gehe, sehe ich kaum Nachwuchs. Wie
ist da euer Eindruck? Gibt es neue, junge Ska-Bands die Ihr gut findet?
TN: Ich glaube das täuscht. Bei unserer Release Party im Hamburger Hafenklang
Ende März zum Beispiel waren überraschend viele Leute unter 25 anwesend
(na gut, das sind auch nicht unbedingt Teenager) die nicht unsere Kinder oder Enkel waren und sonst immer herhalten müssen um den Altersschnitt auf unter 50 zu drücken.
Nö, im Ernst, ich habe
tatsächlich das Gefühl das in den letzten Monaten auffällig viele junge
Menschen "unsere" Musik für sich entdecken.
Junge Ska Bands die wir gut finden? Gibt es einige, hervorzuheben sind
darunter natürlich unsere jugendlichen Dorfskapunker Freunde von
POMMESPANZER. Echt heißer Scheiss!
F: Ihr seid ja alle keine 20 mehr. Ich stelle mir das nicht so einfach vor, live
spielen, Alltagsverpflichtungen erfüllen, fit genug für die Bühne sein… Wie
schafft Ihr das?
TN: Unsere Altersspanne reicht momentan von 35 - 58, also gesundes Mittelalter
oder verglichen zu "The Skatalites" eine junge Nachwuchsband.
Natürlich ist das u.a. auch bei mir körperlich nicht mehr alles so
rosig wie vor 40 Jahren. Allerdings waren die Pläne und das Auftreten
der Band vor 40 Jahren im Gegensatz zu heute Grundverschieden. Damals
haben wir mit No Life Lost jedes mögliche Konzert gespielt das wir
konnten. Wir hatten so eine schöne "Scheißegal"-Haltung, Hauptsache
Spielen, Saufen und Spaß! Geld war eigentlich nicht so wichtig, gab es
aber auch und wurde sofort wieder für Equipment, Aufnahmen und diversen
anderen Mist ausgegeben. Das ist natürlich heute nicht mehr so möglich.
Die Gesundheit spielt da tatsächlich auch eine nicht unwesentliche
Rolle. Auch der Traum mit der Musik ausreichend Geld zu verdienen ist
vor etlichen Jahren beerdigt worden. Aber der Spaß an Livekonzerten ist
geblieben und ist auch irgendwie ein bisschen wie eine Sucht. Live
Konzerte sind und bleiben wichtig und wenn die nicht mehr möglich ist
dann auch Schluss!
F: Wie sind eure Pläne für die Zukunft? Wo kann man euch live sehen?
TN: Erstmal gibt es endlich mal wieder einen Besuch bei unserem Lieblingsfestival This Is Ska in Roßlau (18.06.206-20.06.2026).
Dieses Mal
allerdings nicht für 26 Auftritte (wie 2022) oder 7 (wie 2024) sondern
nur 2 (Freitag und Samstag) werden halt nicht Jünger...
Im Herbst kommt unsere nächste Vinyl Single "Golfplatzhooligans" mit
einer sehr coolen noch nicht veröffentlichten B-Seite bei Flat Daddy auf
den Markt. Dazu gibt es noch ein schickes Video mit reichlich Musiker
und Fußballer D-Prominenz am Start (darf ich das eigentlich so sagen??
oder machen die dann vielleicht nicht mehr mit....na gut wir werden
sehen)
Im Herbst/ Winter geht es auf Tour und dann Anfang 2027 wieder ins
Studio, um das nächste extrem gute Album aufzunehmen.




