SKASSAPUNKA

Interview

SKASSAPUNKA

Datum
01.07.2026
Autor
Frank

Die italienischen Ska-Punk-Band SKASSAPUNKA existieren seit 2008.

Lange war die Band aus Mailand im Schatten von Bands wie Los Fastidios, Banda Bassotti und vor allem Talco.

Stück für Stück hat sich die Band eine stetig wachsende, treue Fangemeinde erspielt. Die Band gibt auf der Bühne immer alles. Sie spielt mitreißenden Ska-Punk mit Patachanka-Einfluss. So wundert es nicht, dass sie an Talco erinnern, ohne allerdings deren epische Melodien zu haben.

SKASSAPUNKA sind eine politisch klar positionierte Band.

Antifaschismus ist eine Selbstverständlichkeit. Zusammenhalt, der Kampf gegen Ungerechtigkeit und der kritische Blick auf das System in dem wir leben sind eine Lebenshaltung.

Die Band spielt seit Jahren in kleinen Clubs in Deutschland, Italien, Frankreich oder der Schweiz. Die Anzahl der Konzerte steigt von Jahr zu Jahr. Langsam orientieren sie sich an der Zahl der Konzerte die Los Fastidios im Jahr spielen.

Acht Alben hat die Band bisher herausgebracht. Das letzte im Jahr 2025.

Nach Ihrem letzten Konzert im Schokoladen in Berlin am 13.04.2026 nahm ich mit der Band Kontakt auf. Zwischen ihren vielen Konzerten nahmen sie sich Zeit und beantworteten mir freundlicherweise ein paar Fragen.

F:        SKASSAPUNKA gibt es jetzt seit 18 Jahren. Wenn Ihr eure Bandgeschichte anschaut, was waren die bisherigen Höhepunkte?

S:        Achtzehn Jahre sind schon eine ganze Menge, und es ist viel passiert. Angefangen bei den ersten Erfahrungen die wir auf der Bühne gemacht haben, den ersten Alben und den ersten

Songs, die die Leute mitgesungen haben. Ein wichtiger Moment war definitiv, als wir anfingen, im

Ausland aufzutreten, als wir unsere ersten richtigen „Tourneen“ spielten. Seitdem haben wir nie mehr

aufgehört. Das war der erste große Meilenstein in der Geschichte der Band.

Ein besonderer Fall ist ohne Zweifel das Projekt „Aldo chiama ancora“, sowohl wegen der politischen Bedeutung als auch wegen der Arbeit, die darin steckte, bei der wir uns an einer komplett selbstgemachten Produktion eines Dokumentarfilms versucht haben.

F:        In den letzten Jahren habe ich euch immer im Schokoladen in Berlin gesehen. Der Schokoladen ist ein kleiner Club. Ihr spielt mittlerweile jedes Jahr mehr Konzerte, in ganz Europa aber mit einem großen Schwerpunkt in Deutschland. Ihr spielt oft in kleinen bis sehr kleinen Clubs.

Was gibt euch die Energie und die Kraft in den kleinen Clubs zu spielen?

S:        In kleinen Clubs aufzutreten, ist für eine Band wie uns immer gut, um uns etwas zurückzunehmen und eine direkte Verbindung zum Publikum herzustellen - ganz ohne Filter oder Barrieren.

Das ist eine ganz andere Energie als auf großen Bühnen und Festivals, die eine andere Dimension und

Atmosphäre haben, die ebenso schön und erfüllend sind.

F:        Wie würdet ihr selber eure Musik beschreiben?

S:        Unsere Musik ist eine Mischung aus Ska, Punk und Patchanka. Wir haben viele Vorbilder, nicht nur was die Musik angeht, sondern auch inhaltlich. Was wir komponieren und was wir singen:

Unserer Meinung nach bleibt es das Wichtigste, eine antifaschistische und antikapitalistische Botschaft

zu vermitteln, die sich an die Schwächsten der Gesellschaft richtet.

F:        Kann eure Musik etwas verändern?

S:        Im Laufe der Geschichte hat Musik stets Einfluss auf gesellschaftliche Dynamiken und das Leben der Menschen genommen.

Auf unserer Ebene reichen wir wahrscheinlich nicht aus, um etwas im großen Maßstab zu verändern aber es würde ausreichen, um Spuren zu hinterlassen, eine Botschaft an die Zuhörer zu vermitteln -

auch ohne zu wissen, wie sich dies weiterentwickeln könnte.

F:        In Deutschland sind Bands wie Talco, Derozer, Banda Bassotti oder Bull

            Brigade bekannt.

Weniger bekannt ist, wie es der Punkszene aktuell geht.

Wie ist die Situation in Italien und im Besonderen in Mailand wo ihr herkommt.

S:        Zunächst sollten wir definieren, was die „Punk-Szene“ ist, aber das wäre ein sehr langes und schwieriges Thema.

Wenn wir über die Musikszene sprechen, befindet sich Italien schon seit langer Zeit  in einer tiefen Krise. Dies betrifft besonders kleine bis mittelgroße Bands, die sich in einem Umfeld erheblicher Leere behaupten müssen. Es mangelt an Veranstaltungsorten, die bereit sind, in Live-Musik der Underground

Szene zu investieren, und folglich auch an einem Publikum, das diese Art von Szene unterstützt.

Es ist ein Teufelskreis, der uns in die heutige Stagnation geführt hat und eine Kluft zwischen den großen Bands und allen anderen geschaffen hat.

Das ist auch der Grund, warum wir uns gezwungen sehen, unseren Fokus auf das Ausland zu richten, wo es leichter möglich ist live zu spielen.

Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass sich in Italien die Situation irgendwann merklich verbessert.

F:        Ich würde sagen, dass die politische Situation in Italien,

            insbesondere für links eingestellte Menschen schwierig ist.

Möchtet Ihr die aktuelle Situation beschreiben?

S:        Die politische Lage in Italien ist dramatisch, doch die derzeitige Regierung ist nicht das einzige Problem. Seit Jahrzehnten schon hat jede politische Partei den Kampf an der Seite des Volkes  und der Arbeiterklasse aufgegeben.

Das sollte jedoch keine Überraschung sein: Das System ist verfault, und jede seiner Ausprägungen, ob links oder rechts, ist lediglich ein Spiegelbild davon.

Die einzige Lösung ist ein vollständiger Systemwechsel zugunsten der Arbeiterklasse, die sich von den Fesseln des Kapitalismus befreien muss.

Es ist ein langer Prozess, voller Hindernisse und Unterdrückung, wie wir bereits gesehen haben und wie wir es vor allem heute erleben.

F:        Was muss eurer Meinung nach getan werden um politische und soziale

            Veränderungen anzustoßen um zu erreichen, dass es gerechter und

 sozialer zu geht?

S:        Wie wir bereits erwähnt, besteht die einzige Lösung in einer vollständigen Umgestaltung eines Systems, das nicht reformiert, sondern nur zum Wohle der Menschheit zerstört werden kann. Ein Umsturz des Systems, in dem die Arbeiterklasse, junge Menschen ohne Zukunftsperspektive, Migranten und alle Menschen die allgemein zu den Letzten der Gesellschaft gezählt werden, sich befreien und endlich die Macht erlangen können, über das eigene und das kollektive Wohl zu entscheiden.

F:        Im Sommer und Herbst 2026 spielt ihr oft nur zwei oder drei Konzerte und habt dann eine Woche Pause. Fahrt ihr dann immer zurück nach Italien?

S:        Ja, wenn wir nicht auf einer Tour sind bei der wir auch in der Woche spielen, fahren wir nach den  Konzerten immer nach Italien zurück.

F:        Wie sehen die Pläne von SKASSAPUNKA für die Zukunft aus?

S:        Bis zum Jahresende werden wir die „Keep the Fire Burning“-Tour fortsetzen. Nebenbei arbeiten  wir schon an Neuem für das nächste Jahr.

Dann kommt das Jahr 2028 und es wird das 20. Jahr von Skassapunka sein …

Wir werden das auf jeden Fall feiern

Bilder 1 Bild
724164379 1583881620417023 4795086549433486606 n
724164379 1583881620417023 4795086549433486606 n
Links:

// Noch keine Kommentare — schreib den ersten!

Kommentar schreiben

Max. 2.000 Zeichen

☆ STAY LOUD ☆