Die italienischen Ska-Punk-Band SKASSAPUNKA existieren seit
2008.
Lange war die Band aus Mailand im Schatten von Bands wie Los
Fastidios, Banda Bassotti und vor allem Talco.
Stück für Stück hat sich die Band eine stetig wachsende,
treue Fangemeinde erspielt. Die Band gibt auf der Bühne immer alles. Sie spielt
mitreißenden Ska-Punk mit Patachanka-Einfluss. So wundert es nicht, dass sie an
Talco erinnern, ohne allerdings deren epische Melodien zu haben.
SKASSAPUNKA sind eine politisch klar positionierte Band.
Antifaschismus ist eine Selbstverständlichkeit.
Zusammenhalt, der Kampf gegen Ungerechtigkeit und der kritische Blick auf das
System in dem wir leben sind eine Lebenshaltung.
Die Band spielt seit Jahren in kleinen Clubs in Deutschland,
Italien, Frankreich oder der Schweiz. Die Anzahl der Konzerte steigt von Jahr
zu Jahr. Langsam orientieren sie sich an der Zahl der Konzerte die Los
Fastidios im Jahr spielen.
Acht Alben hat die Band bisher herausgebracht. Das letzte im
Jahr 2025.
Nach Ihrem letzten Konzert im Schokoladen in Berlin am
13.04.2026 nahm ich mit der Band Kontakt auf. Zwischen ihren vielen Konzerten
nahmen sie sich Zeit und beantworteten mir freundlicherweise ein paar Fragen.
F: SKASSAPUNKA gibt es jetzt seit 18
Jahren. Wenn Ihr eure Bandgeschichte anschaut, was waren die bisherigen
Höhepunkte?
S: Achtzehn Jahre sind schon eine ganze
Menge, und es ist viel passiert. Angefangen bei den ersten Erfahrungen die wir
auf der Bühne gemacht haben, den
ersten Alben und den ersten
Songs, die die Leute mitgesungen haben. Ein wichtiger Moment war definitiv, als wir anfingen, im
Ausland aufzutreten, als wir unsere ersten richtigen „Tourneen“ spielten. Seitdem haben
wir nie mehr
aufgehört. Das war der erste große Meilenstein in der Geschichte
der Band.
Ein besonderer Fall ist ohne Zweifel das Projekt „Aldo
chiama ancora“, sowohl wegen der politischen Bedeutung als auch wegen der
Arbeit, die darin steckte, bei der wir uns an einer komplett selbstgemachten Produktion
eines Dokumentarfilms versucht haben.
F: In den letzten Jahren habe ich euch
immer im Schokoladen in Berlin gesehen. Der Schokoladen ist ein kleiner Club.
Ihr spielt mittlerweile jedes Jahr mehr Konzerte,
in ganz Europa aber mit einem großen Schwerpunkt in Deutschland. Ihr spielt oft in kleinen bis sehr kleinen Clubs.
Was gibt euch die Energie und die Kraft in den kleinen Clubs
zu spielen?
S: In kleinen Clubs aufzutreten, ist für
eine Band wie uns immer gut, um uns etwas zurückzunehmen und eine direkte
Verbindung zum Publikum herzustellen
- ganz ohne Filter oder Barrieren.
Das ist
eine ganz andere Energie als auf großen Bühnen und Festivals, die eine andere Dimension und
Atmosphäre haben, die ebenso schön und
erfüllend sind.
F: Wie würdet ihr
selber eure Musik beschreiben?
S: Unsere Musik ist eine Mischung aus Ska,
Punk und Patchanka. Wir haben viele Vorbilder, nicht nur was die Musik
angeht, sondern auch inhaltlich. Was wir komponieren und was wir singen:
Unserer Meinung nach bleibt es
das Wichtigste, eine antifaschistische und antikapitalistische Botschaft
zu vermitteln, die sich an
die Schwächsten der Gesellschaft richtet.
F: Kann eure
Musik etwas verändern?
S: Im Laufe der Geschichte hat Musik stets
Einfluss auf gesellschaftliche Dynamiken und das Leben der Menschen genommen.
Auf unserer
Ebene reichen wir wahrscheinlich nicht aus, um etwas im großen Maßstab zu
verändern aber es würde ausreichen, um Spuren zu hinterlassen, eine Botschaft an die Zuhörer zu vermitteln -
auch ohne zu
wissen, wie sich dies weiterentwickeln könnte.
F: In
Deutschland sind Bands wie Talco, Derozer, Banda Bassotti oder Bull
Brigade bekannt.
Weniger bekannt ist, wie es der Punkszene aktuell geht.
Wie ist die Situation in Italien und im Besonderen in
Mailand wo ihr herkommt.
S: Zunächst sollten wir definieren, was die
„Punk-Szene“ ist, aber das wäre ein sehr langes und schwieriges Thema.
Wenn wir
über die Musikszene sprechen, befindet sich Italien schon seit langer Zeit in einer
tiefen Krise. Dies betrifft besonders kleine bis mittelgroße Bands, die sich in einem Umfeld
erheblicher Leere behaupten müssen. Es mangelt an Veranstaltungsorten, die bereit sind, in Live-Musik der Underground
Szene
zu investieren, und folglich auch an einem Publikum, das diese Art von Szene
unterstützt.
Es ist ein Teufelskreis, der uns in die heutige Stagnation
geführt hat und eine Kluft zwischen den großen Bands und allen anderen
geschaffen hat.
Das ist auch der Grund, warum wir uns gezwungen sehen,
unseren Fokus auf das Ausland zu richten, wo es leichter möglich ist live zu
spielen.
Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass sich in Italien die
Situation irgendwann merklich verbessert.
F: Ich würde
sagen, dass die politische Situation in Italien,
insbesondere für links
eingestellte Menschen schwierig ist.
Möchtet Ihr die aktuelle Situation beschreiben?
S: Die politische Lage in Italien ist
dramatisch, doch die derzeitige Regierung ist nicht das einzige Problem. Seit
Jahrzehnten schon hat jede politische Partei den Kampf an der Seite des Volkes und der Arbeiterklasse aufgegeben.
Das sollte
jedoch keine Überraschung sein: Das System ist verfault, und jede seiner Ausprägungen, ob links oder rechts, ist lediglich ein
Spiegelbild davon.
Die einzige Lösung ist ein vollständiger Systemwechsel
zugunsten der Arbeiterklasse, die sich von den Fesseln des Kapitalismus
befreien muss.
Es ist ein langer Prozess, voller Hindernisse und
Unterdrückung, wie wir bereits gesehen haben und wie wir es vor allem heute
erleben.
F: Was muss
eurer Meinung nach getan werden um politische und soziale
Veränderungen anzustoßen
um zu erreichen, dass es gerechter und
sozialer zu geht?
S: Wie wir
bereits erwähnt, besteht die einzige Lösung in einer vollständigen Umgestaltung
eines Systems, das nicht reformiert, sondern nur zum Wohle der Menschheit
zerstört werden kann. Ein Umsturz des Systems, in dem die Arbeiterklasse, junge Menschen ohne Zukunftsperspektive,
Migranten und alle Menschen die allgemein zu den Letzten der Gesellschaft
gezählt werden, sich befreien und endlich die Macht erlangen können, über das
eigene und das kollektive Wohl zu entscheiden.
F: Im Sommer und Herbst 2026 spielt ihr oft
nur zwei oder drei Konzerte und habt dann eine Woche Pause. Fahrt ihr dann
immer zurück nach Italien?
S: Ja, wenn wir nicht auf einer Tour sind
bei der wir auch in der Woche spielen, fahren wir nach den Konzerten immer nach
Italien zurück.
F: Wie sehen die
Pläne von SKASSAPUNKA für die Zukunft aus?
S: Bis zum Jahresende werden wir die „Keep
the Fire Burning“-Tour fortsetzen. Nebenbei arbeiten wir schon an Neuem für das
nächste Jahr.
Dann kommt das Jahr 2028 und es wird das 20. Jahr von
Skassapunka sein …
Wir werden das auf jeden Fall feiern