Shoshin – Epiphanies and Wastelands

Review

Shoshin

Epiphanies and Wastelands

Genre
CD
Label
7Hz Recordings / Membran
Datum
05.04.2015
Autor
King Kraut
9 /10
SHOSHIN kommt aus dem Japanischen und heißt bestimmt irgendwas total bedeutsames. Googelt es nach. Interessanter als ein genuschelter Bandname ist diese Band aus unermüdlichen britischen Straßenmusikern. Ja, tatsächlich, da würde man einen völlig anderen Sound erwarten als diesen. Wenn mir einmal ein Powertrio an einer Kreuzung eine Art verrockte Version von ASIAN DUB FOUNDATION präsentiert, dann werfe ich gern auch ein paar Taler in den Hut. Ihre Street Credibility haben SHOSHIN also schon einmal, denn solche Guerrilla-Gigs haben sie Jahre lang in allen möglichen Ecken der Welt durchgezogen.

Die Musik hingegen fasziniert durch einen sehr eigenen Stil. Kennt ihr noch die Gitarre, die das unglaublich elektrisierende Intro bei „New Noise“ von REFUSED kratzt? So klingt die von SHOSHIN häufig. Nur, dass es dann nicht plötzlich einen brutalen Rafrain von hundert übereinander aufgenommenen Gitarrenspuren plus Herumkrakeelen gibt, sondern einen Sänger, der mit klarer Stimme darüber rappt. Daran werden sich die Geister scheiden, für die Härtegemeinschaft ist das nichts. Eher für die überlebenden Fans von THE POLICE. Denn der Mann kann auch singen, weiß, wie jedes Wort ultracool auf den Beat platziert wird und singt auch gern mal ein Falsett im Refrain. Eines Zuviel davon auch mal, oder ist das die Schlagzeugerin, die da jeweils ein paar Chöre hinzumischt? Ich habe das Gefühl, dass in letzter Zeit wieder öfters neuartige Kombinationen von Sprechgesang und Gitarrenmusik probiert werden, nachdem das Crossover-Genre sich in den Neunzigern in eine kreative Sackgasse manövriert hatte: Wettrüsten mit LIMP BIZKIT.

Textlich geht es zur Sache: Gegen Ausländerfeindlichkeit und Kriegspropaganda wird zielsicher ausgeteilt. Daneben stehen weniger ernste Stücke, wo zum Beispiel für die doofe Ex Klartext hagelt. Kein dummer Ansatz, denn wer sich nur auf Sozialkritik festlegt, dem Verzeihen die Fans irgendwann nichts, was nicht radikal die Grundfesten des Systems demontiert. Die ganze Zeit durch groovt es in einem gut tanzbaren mittleren Tempo. Klar werden auch mal die Powerchords gezückt, insgesamt punktet die Band aber nicht durch Druck, sondern durch eine Präzision. Und wahrscheinlich kann sie ihr Spektakel auch weiter mit begrenzten Mitteln gekonnt auf die Straßen transportieren. Die Musik hält eine Grundspannung aufrecht und schlafft nie ab, auch dann nicht, wenn es mal in den Reggae oder Pop geht. Ja, das ist radiotauglich, und SHOSHIN schafft es sogar, einen Song von NOFX auf eigene Spielweise zu drosseln, ohne dass er an Durchschlagskraft verliert. Eine interessante Gratwanderung, die ich jedem empfehlen kann, Kostproben gibt es hier.

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