The Dwarves – Gentleman Blag

Review

The Dwarves

Gentleman Blag

Genre
Sonstiges
Label
Fat Wreck Chords
Datum
26.01.2015
Autor
King Kraut
8 /10
Nun also eine 7“ auf Fat Wreck Chords von den nimmermüden DWARVES. Wer die Band kennt, weiß, was das bedeutet: Außen nackte Frauen, innen treibender Punkrock mit einer großzügigen stilistischen Spannbreite. Die Kunstfigur des Sängers Blag Dhalia steht beim Titelsong und auf dem Cover im Mittelpunkt. Kunstfigur deshalb, weil der von ihm propagierte Lifestyle ihm bei konsequenter Durchführung sicher den GG Allin-Tod, zumindest aber einen verlängerten Aufenthalt im Kittchen beschert hätte. Irgendwo in der Mitte wird wohl die Wahrheit liegen; dass es sich um einen perversen alten Sack handelt, kann man wohl als Tatsache hinnehmen. Und dazu noch einem musikalisch umtriebigen Triebtäter, der hier über einen 5/8-Takt seine Geilheit besingt, ohne dass es auch nur einen Moment konstruiert wirkte oder gar aufhören würde, zu knallen. Angeblich soll darauf neben aller jemals in der Band gewesenen Musiker auch Dexter Holland von Offspring mitsingen, aber ich höre ihn nicht heraus. Oder ist das am Ende wieder nur ein Scherz von der Band, die traditionell gern diversen Mitbewerbern im Musikbusiness vor den Karren gepisst hat?

In drei weiteren Songs gibt es weiter gewohnt gute Kost von den Zwergen. „Trisexual“ ist so schnell durchgebraust, wie er beginnt, den Song „Kings of the World“ gab es schon auf dem letzten Album. Am Schluß gibt es noch ein eher Stoner-lastiges Stück mit der verrückten Schreistimme von Nick Olivieri als Rex Everything, der seit Jahren unter Beweis stellt, dass es bei ihm nicht nur Imagepflege ist, sondern er tatsächlich ein zu Kontrollverlust und Selbstüberschätzung neigender Macho ist. Schade für seine Mitmenschen, sein Beitrag zur Musik powert aber fraglos schön nach vorn. Muß ich noch erwähnen, dass diese Band nichts für Anwälte des guten Geschmacks oder gar politischer Korrektheit ist?
Was ich an den DWARVES sehr schätze, ist das sehr gute Gefühl dafür, wann ein knackig auf den Punkt geschriebener Song vorbei sein muss. Keine unnötigen Wiederholungen auch hier, und so sind hier nach unter sieben Minuten die vier Stücke fertig konsumiert. Bis zur nächsten Veröffentlichung könnt ihr euch das Archiv der Radiosendung vom „gentleman“ reinziehen, der da manche Perle aus der Obskurität zutage gefördert hat oder bekanntere Acts ausführlich beleuchtet.
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