Jamiri (mit bürgerlichem Namen Jan-Michael Richter) gilt als meistgelesenster deutscher Comiczeichner. Sehr peinlich, dass ich von ihm bis jetzt noch nichts kannte.
Seit 1990 verdient Jamiri mit Comics seinen Lebensunterhalt. 1992 begann er für das Ruhrgebiet-Stadtmagazins Marabo zu zeichnen, danach war er sehr umtriebig und man sah ihn u.a. im Studentenmagazin Unicum und als „Hauszeichner“ von Spiegel Online. Ab und zu bringt er dann wieder ein Comicalbum im DIN A4 Format heraus. Aktuell sind es 13, das Neueste dieser Alben hab ich gerade vor mir liegen „Memme Fatale“ (erschienen beim Edition 52 Verlag).
Jamiri hat einen relativ ungewöhnlichen Zeichenstil – irgendwo zwischen Foto und Comic. Sein Humor ist spitze! Herrlich zynisch, ironisch und dadurch auch selbstironisch. Er behandelt Themen aus seinem Alltag, aber dafür auch sehr überspitzt - autobiografisch kann man es nicht nennen. Einige Male sorgte er mit seinen Comicstips für kleine Skandale. Er führt öfters schräge Unterhaltungen mit Gott, den er als alten weißbärtigen Mann abbildet und des öfteren wirkt er mit seiner Satire sehr sexistisch und provoziert damit seine Leser.
Memme Fatale besitzt 44 Comicstrips – nur einer davon ist 2-seitig. Er behandelt u.a. Themen wie Facebook, Internet-Trolle, die Ehe, den Müll runter bringen, seinen Erfolg und Themen, die irgendwann mal aktuell waren ;-) Etwas auffällig ist die Werbung in seinen Comics. Dass er von der „Graphic-Tablet-Firma „Wacom“ gesponsort wird verheimlicht er nicht. Auf der Rückseite des Albums ist ein Logo der Firma und darüber steht: „Jamiri arbeitet mit CINTIQ(TM) interaktiven Stift-Displays von Wacom“
Doch ebenso findet man in seinen Comics Apple, Burton, Vital Plus, Becel, Familien im Brennpunkt, Danzig, Bosch, loud-fm.com, Elite-Partner, Skype, Sasha Lobo, Knut, usw. Eventuell ein gesellschaftliches Übel, wenn man nah an der Realität bleiben will, irgendwie ist doch schon fast jede Handlung vom Menschen eine Werbung (selbst wenn man an's Handy geht).
Dies verhindert aber nicht die Tatsache, dass seine Comicstrips zum Lachen sind. Oft böse, gemein und man bekommt ein Bild von Jamiri, dass er ein schimpfendes Ekel ist. Als Leser hat man seinen Spaß, wenn einem „grantige“ Menschen gefallen. Ein Blick auf Jamiri lohnt sich!
Das Cover ist übrigens gezeichnet ;-)
Leseprobe: http://www.spiegel.de/fotostrecke/jamiri-erfolg-fotostrecke-82936.html




