Neun Minuten zweiundfünfzig. Zwölf Songs. Wer bei einer LP erst mal ein ausgedehntes Intro erwartet, ist bei ill! falsch. Die Münsteraner machen das schon länger so: Auf Lippenbekenntnisse folgte 2017 Wenn alles endlich wertlos ist, später kamen Splits und Fliesentisch. Die neue Platte erscheint im November 2026.
Fastcore aus der ersten Welt ist eine kleine Verbeugung vor den Japanischen Kampfhörspielen. Dazu passt, dass hier nicht lange um den heißen Brei herumgespielt wird: Geldschein rein, Haus Um Vier hinterher, und ehe man sich versieht, ist man schon bei Kühlschrank und Preisanstieg. Die drei älteren Stücke Jeden Tag, Fliesentisch und Selber Schuld haben ill! für das Album neu aufgenommen.
Die Musik ist schnell, aber nicht kopflos. Gitarre und Schlagzeug schieben ordentlich, und die Ride-Glocke blitzt immer wieder durch. Das klingt nach Fastcore und Powerviolence, hat aber genug Groove, damit man nicht bloß auf die Uhr schaut. Aufgenommen und gemischt hat die Band in Eigenregie; das Mastering kam anschließend aus dem Raketenstudio. Man hört, dass hier niemand versucht hat, den kurzen Stücken künstlich mehr Gewicht anzuschrauben.
Bei den Titeln muss ich grinsen: Geldschein rein, Kühlschrank, Fliesentisch – das ist herrlich gewöhnlicher Kram. Zusammen mit Planet Abfall und Hirn Verbrauchen ergibt sich ein ziemlich schräger Blick auf das Leben in der ersten Welt: alles da, trotzdem genug Anlass, sich aufzuregen. Die Platte macht daraus keine große Ansprache. Sie haut ihre Gedanken raus und ist schon beim nächsten Song.
Natürlich verschwimmen bei zwölf Liedern in unter zehn Minuten einzelne Stücke ein bisschen. Ich könnte nach dem Durchlauf nicht jeden Song nachsummen. Aber darum geht es hier auch nicht unbedingt. Fastcore aus der ersten Welt funktioniert am besten am Stück: kurz, laut, mit Humor und ohne überflüssigen Zierrat. Danach ist man wieder im Alltag. Der Kühlschrank ist noch voll, die Rechnung trotzdem zu hoch.




