
Auf der neuen Edition ist ein Song mehr dabei, und wenn mich meine Recherche nicht täuscht, ist es ausgerechnet der erste, „Hard Ducks“. Eine ungewöhnliche Idee, schließlich ist so ein Opener ja doch sehr prägend für ein Album. Keineswegs schlecht jedenfalls, und hier wird es dann gleich tonnenschwer, mit verzerrtem Gesang über schleppenden Rock. Ach ja, das heißt ja Felsen, na, so klingt das auch. Der Sound ist so ähnlich, wie er mir bei diesem Genre immer zu sein scheint: Dick, mit Gitarren/Bass-wänden, die drücken, ohne dabei allerdings mechanisch zu klingen sondern irgendwie weich. Dazu heulende Soli, und schön repetitive, akzentuierte, rhythmische Riffs. Ein Bisschen klingt das manchmal, als würde man das aus der Wohnung des Nachbarn hören, weil die tiefen Frequenzen so dominieren. OJM lässt sich Zeit, einen Song aufzubauen, sowohl vom Tempo als auch vom Auskosten eines Riffs, und Gesang ist mehr schmückendes Beiwerk für einige Songs.
Nachdem der Hörer erst einalmal drei Lieder lang mit dem musikalischen Fleischhammer plattgeklopft wurde, gibt es mit „You Come“ einen etwas reduzierten Track, der eine düstere Spannung aufbaut und dem ozzigen Gesang und der Sologitarre viel Platz gewährt, um sich dann langsam zu steigern. Als nächstes folgt direkt ein STOOGES-Cover mit „TV Eye“, was dann auch mit der zackigste Song auf dem Album bleiben soll. Klappt erstaunlich gut mit dem Stonersound, Punkerprüfung bestanden. Auf der zweiten Albumhälfte werden die Lieder nach meinem Gefühl etwas abwechslungsreicher, bei „As I Know“ hat man erstmals das Gefühl, dass der Sänger einen direkt Anspricht, statt nach einer verfremdete Frequenz aus einem kaputten Radio zu klingen. Solche Passagen verhindern genau wie gelegentliche psychedelische Gitarreneffekte, dass die Musik allzu monoton und so zur Hintergrundbeschallung wird. Man muss allerdings auch Blues-Jamsessions mögen, um bestimmte Stücke genießen zu können, da OJM so etwas gern mal auskosten. Meist wirkt alles aber gut strukturiert, und eh man sich in bekifftem Herumgenudel verliert, kommt ein schöner Wechsel, ein Gesangspart oder was der professionelle Rocker noch so an Stilmitteln in der Trickkiste hat, um die Langeweile zu vertreiben. Gelungen abgerundet wird das Ganze mit dem achteinhalb Minuten langen „Theorem“, wo der Zuschauer instrumental noch zum Abschied eine kleine Reise auf und ab durch verschiedene Intensitätszonen des Songs begleitet wird.
Für alle Liebhaber italienischer Musik, die mal etwas anderes als PUCCINI oder AL BANO & ROMINA POWER hören wollen, kann ich dieses Album empfehlen. Persönlich wird mir Stonerrock schnell zu einförmig und kommt daher nicht so oft in meine Playlist, aber vielleicht wäre das ja bei entsprechender Cannabis-induzierter Steinigung meiner Person anders. Ich sehe da eine interessante wissenschaftliche Fragestellung.



