Codefendants – Lifers

Review

Codefendants

Lifers

Genre
CD
Label
This Is Crime Wave / Regmine Music Group / Virgin Music
Band
Codefendants
Datum
09.08.2026
Autor
King Kraut
7 /10

Wo fange ich an? Vielleicht so: Geiles Album.

Und dann gleich ein Disclaimer: Ich bin, wie sicher viele, wegen Fat Mike auf CODEFENDANTS gekommen. Ich habe sie bereits live gesehen, war aber etwas abgelenkt davon, mir ein Bier zu holen, bevor ich anschließend zum letzten mal NOFX sehen würde. Zu Fatty habe ich gemischte Gefühle. Einerseits ist er mit verantwortlich für wirklich viel Musik, die mich prägte. Kaum zu überschätzen. Gleichzeitig hat er seinen kreativen Zenit schon vor Jahrzehnten erreicht, und anschließend immer weniger Highlights rausgehauen und immer mehr NOFX zum Vehikel für ein Bisschen beschränkte Ansichten eines alternden, zugedröhnten Punks (sich) gemacht. Ganz unvoreingenommen bin ich also gegenüber CODEFENDANTS also nicht, aber ich versuche, fair zu sein, ohne mich zugleich doof zu stellen.

Wenn ich nämlich mein Vorwissen ausblende, dann ist „Lifers“ ein abwechslungsreicher Mix mit souverändem Songwriting. Hip Hop, Punk, Elektronik, Rock, Balladen, Latin, alles Mögliche steckt in den 11 Songs. Das macht sie sehr abwechslungsreich, und auch bei mehrmaligem Hören hatte ich noch längst nicht alle kleinen guten Ideen, raffinierten Dynamikwechsel und Stilbrüche registriert. Es steckt eine große Vertrautheit mit den verwendeten Musikstilen hier drin, um diesen Crossover gelingen zu lassen, ohne dass es grob gehobelt wirkt. Das ist eine Art von Mix, die ich in den späten 90ern und frühen Nullern sehr gemocht habe und selbst für meine Bands angestrebt habe – wer FAITH NO MORE, BRAN VAN 3000, oder auch RANCIDs „Life Won’t Wait“ kennt, kann sich vielleicht vorstellen, was ich meine: Keine Standard-Rezepte, man weiß nie, was im nächsten Song kommt. Einfach ein riesiges Spektrum an Einflüssen, und das liebe ich. Auch SUBLIME, auf die diese Beschreibung zutrifft, hat bei CODEFENDANTS einen Auftritt. Ist das der Sohn von Bradley?

Allein bei den Texten bin ich nicht immer überzeugt. Da ist mir ein Bisschen zuviel aufgesetzte Gangsta-Attitüde, die Loser-Melancholie habe ich bereits zu oft gehört, um es den gestandenen Profi-Musikern noch abzunehmen. Und wenn sie suggerieren, dass Fat Mike gecancelt würde, er aber im Namen der Kunst weiter Risiken eingehe, dann bestätigt das meine anfänglichen Befürchtungen, dass der Millionär zum peinlichen Onkel geworden ist. Also am besten diesen Umstand ausblenden, und die Prahlerei passt ja irgendwie zu den Hip Hop-Elementen. Dann kann man an „Lifers“ wirklich viel Freude haben!

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