Wer heute Morgen beim ersten Kaffee durch die Nachrichten gescrollt hat, dürfte beim Thema IT-Sicherheit eine gehörige Portion Schmunzeln kaum unterdrückt haben. Der selbsternannten „Alternative“ ist ein Daten-GAU der Extraklasse unterlaufen: Unbekannte Hacker haben die internen E-Mail-Postfächer der AfD geplündert und eine geradezu astronomische Menge an Daten ins Netz gestellt.
Wir sprechen hier nicht von ein paar abgefangenen Rundmails. Die Rede ist von 421.179 E-Mails und satten 281 Gigabyte Datenmaterial aus mindestens zehn Postfächern. Darunter: E-Mails von Parteigrößen wie Alice Weidel, Alexander Gauland und Leif-Erik Holm. Und als ob das nicht schon peinlich genug wäre, kursiert im Netz nun auch noch die Ausweiskopie des stellvertretenden Fraktionschefs Markus Frohnmaier – zusammen mit Kontoauszügen, Rechnungen, Zeugnissen und kompletten Mitgliederlisten aus NRW-Kreisverbänden.
Ein Datenleck dieser Dimension ist nicht nur ein Desaster für die Betroffenen, es zieht auch den Vorhang vor den Kulissen einer Partei weg, die sich nach außen hin gerne als Hüterin von Ordnung und Struktur inszeniert.
Drogen und Hakenkreuze am Infostand? Ein Blick in die Mailbox-Abgründe
Was in den erbeuteten Nachrichten steht, ist teilweise so surreal, dass man dreimal hinsehen muss. Während KI-gestützte Zusammenfassungen der Mails derzeit im Netz die Runde machen, sickern die ersten pikanten Details durch.
So berichten Medien unter anderem über interne Streitigkeiten, die tiefe Einblicke in den Parteialltag gewähren. In einer Mail soll es beispielsweise um die geplante Suspendierung eines Funktionärs gegangen sein, weil dieser am AfD-Infostand Hakenkreuzfahnen verkauft und Drogen verteilt haben soll.
Man muss sich das einmal bildlich vorstellen: Während die Partei im Parlament sonntagsrednerisch über „Recht und Ordnung“ schwadroniert, verhökert man an der Basis offenbar nebenbei verbotene Symbole und Substanzen. Es zeigt einmal mehr die krasse Doppelmoral und den Nährboden, auf dem diese Partei agiert.
Das Schema F der AfD: Wiegeln, kleinreden, ablenken
Die Reaktion aus der Parteizentrale ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten und folgte dem altbekannten Drehbuch der Krisenkommunikation. Ein Parteisprecher wiegelte schnell ab: Es habe im September einen Cyberangriff auf einen externen Hosting-Dienstleister gegeben, bei dem lediglich Teile „einiger weniger“ Postfächer kopiert worden seien. Die meisten davon seien ohnehin „seit Jahren nicht mehr genutzt“ worden, und die aktuellen Mail-Accounts des Bundesverbands seien sicher.
Das klingt nach dem typischen Versuch, einen Scheunenbrand als klitzekleines Funkenprühen abzutun. Dass 281 Gigabyte an sensiblen Parteiinterna, Ausweisen und Finanzunterlagen im Netz stehen, lässt sich mit ein paar beruhigenden Floskeln jedenfalls nicht einfach wegwischen.
Wer nicht einmal in der Lage ist, die eigenen digitalen Postfächer und die Daten seiner Mitglieder adäquat zu schützen, möchte dieses Land regieren? Das ist nicht nur eine digitale Bankrotterklärung, sondern offenbart eine tief sitzende Inkompetenz bei grundlegendsten organisatorischen Aufgaben.
Was dieser Hack für uns alle bedeutet
Natürlich kann man sich eine gewisse Genugtuung nicht verkneifen, wenn ausgerechnet diejenigen, die hetzen und spalten, unfreiwillig ihre Hose herunterlassen müssen. Dennoch zeigt dieser Vorfall auf dramatische Weise zwei Dinge:
- Die IT-Infrastruktur politischer Parteien bleibt ein leichtes Ziel: Wenn Steinzeit-Sicherheit auf sensible Daten trifft, ist das Chaos vorprogrammiert.
- Die Demontage von innen heraus: Oft braucht es gar keine großen Enthüllungsjournalisten – die peinlichsten Wahrheiten über rechtsextreme Strömungen und organisierte Chaos-Truppen liefern die Beteiligten in ihren eigenen Mail-Verläufen gleich selbst.
