Raus aus der Plattform-Falle

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Raus aus der Plattform-Falle

Alternativen zu Facebook, Instagram und X

Autor
aaaaaprvdgrwwelt
Datum
09.10.2026

Teaser: Ab heute gibt es hier eine neue Serie darüber, wie man sich von Meta, Musk, Google und Spotify losmachen kann. Und ja, ich fange bei mir selbst an. Denn RamTatTa hängt genauso am Haken wie alle anderen.

Wenn du RamTatTa auf Facebook folgst, auf Instagram oder auf Threads, dann liest du dies gerade auf Plattformen, die einem Mann gehören, der sich im Januar 2025 bei der Amtseinführung von Donald Trump in die erste Reihe gesetzt hat. Ich bin da nicht, weil ich das toll finde. Ich bin da, weil da die Leute sind. Weil ein Artikel, der nur auf unserer eigenen Seite steht, ungefähr so viele Menschen erreicht wie ein Flyer, den man in den Main wirft.

Genau das ist das Problem. Und genau darum geht es in dieser Serie.

Wie es so weit kommen konnte

Das Internet war mal ein ziemlich wilder, offener Ort. Leute hatten eigene Homepages, es gab Foren zu jedem noch so abseitigen Hobby, dazu Blogs, Gästebücher und Mailinglisten. Das war oft hässlich und umständlich, aber es gehörte den Leuten, die es gemacht haben. Niemand konnte entscheiden, dass dein Beitrag heute nur noch bei drei Prozent deiner Leser:innen ankommt, außer du zahlst 20 Euro.

Dann kamen MySpace, später Facebook, und alles wurde einfacher. Ein Event anlegen, Freunde einladen, fertig. Man konnte plötzlich Leute am anderen Ende der Welt erreichen, ohne eine eigene Website bauen zu müssen. Ich will das gar nicht schlechtreden. Für ein paar Jahre war das wirklich gut.

Aber diese Plattformen waren nie Geschenke. Sie waren Köder. Erst holen sie alle rein, dann machen sie die Tür zu, und dann fangen sie an zu kassieren. Der Autor Cory Doctorow hat dafür ein schönes, hässliches Wort erfunden: Enshittification. Die Plattform ist erst gut zu ihren Nutzern, dann gut zu ihren Werbekunden auf Kosten der Nutzer, und am Ende nur noch gut zu ihren Aktionären. Auf Kosten von allen.

Wer eine Facebook-Seite für einen Verein, einen kleinen Laden oder ein Jugendzentrum betreut, kennt das. Früher haben die Leute gesehen, was du postest. Heute siehst du unter deinem Post einen blauen Knopf, auf dem "Beitrag bewerben" steht. Deine eigenen Follower bekommst du nur noch gegen Geld zu sehen.

Was diese Konzerne eigentlich sind

Man sollte sich nichts vormachen: Meta, X, Google und Co. sind keine neutralen Werkzeuge. Das sind Werbefirmen. Ihr Produkt bist nicht du als Kunde, ihr Produkt ist deine Aufmerksamkeit, und die verkaufen sie weiter. Alles, was du dort machst, wird ausgewertet. Welches Video du dir zweimal anschaust. Mit wem du schreibst. Wann du nachts nicht schlafen kannst und durch Reels scrollst.

Und die Leute an der Spitze dieser Firmen haben in den letzten Jahren ziemlich deutlich gezeigt, wo sie stehen.

Elon Musk hat Twitter 2022 gekauft und daraus innerhalb kürzester Zeit eine Plattform gemacht, auf der gesperrte Rechtsextreme zurückkommen durften und sein eigener Account allen in die Timeline gedrückt wird. Er hat sich offen in Wahlkämpfe eingemischt, auch in Deutschland, und dabei der AfD Reichweite verschafft.

Mark Zuckerberg hat Anfang 2025 angekündigt, dass Meta in den USA die unabhängigen Faktenchecks abschafft. Gleichzeitig wurden die Regeln gegen Hassrede gelockert, sodass zum Beispiel queere Menschen dort nun als psychisch krank bezeichnet werden dürfen. Das ist kein Ausrutscher. Das ist eine Entscheidung. Und Threads, das sich gerne als freundliche Twitter-Alternative verkauft, gehört zur selben Firma und läuft nach denselben Regeln.

Spotify zahlt Musiker:innen pro Stream Bruchteile eines Cents. Seit 2024 bekommt ein Song gar nichts mehr, wenn er im Jahr unter 1.000 Abrufe bleibt. Für eine kleine Band heißt das: Du lieferst die Musik, Spotify verdient an den Abos, und du gehst leer aus. Dazu kommt, dass Spotify-Chef Daniel Ek über seine Investmentfirma viel Geld in ein Rüstungs-Start-up gesteckt hat, das KI für das Militär entwickelt. Mehrere Bands haben ihre Musik deswegen 2025 von der Plattform genommen.

Und selbst Bandcamp, lange der Liebling aller kleinen Labels, ist nicht mehr, was es war. Erst wurde es 2022 an den Spielekonzern Epic verkauft, ein Jahr später an die Lizenzfirma Songtradr weitergereicht, die direkt einen großen Teil der Belegschaft rausgeworfen hat.

Ich könnte so weitermachen. Mache ich in den nächsten Tagen auch.

Warum das alle angeht

Ein großer Teil der öffentlichen Debatte läuft inzwischen über eine Handvoll Firmen. Politik, Behörden, Schulen, Vereine, Redaktionen, alle posten dort. Was davon wie viele Menschen zu sehen bekommen, entscheiden ein paar Konzernchefs, die niemand gewählt hat und die sich immer offener politisch positionieren. Dass Millionen Menschen ihre Kommunikation ausgerechnet in deren Hände legen, ist schon ziemlich absurd, wenn man mal einen Moment drüber nachdenkt.

Dazu kommt etwas sehr Praktisches. Wenn Meta morgen beschließt, dass irgendein Bild von dir gegen die Richtlinien verstößt, ist die Seite deines Vereins, deines Ladens oder deiner Band weg. Mit allen Fotos, allen Events, allen Kontakten. Es gibt niemanden, den du anrufen kannst. Es gibt ein Formular, und das beantwortet ein Bot. Das ist kein hypothetisches Szenario. Das passiert ständig, gerade Seiten mit härterem Bildmaterial oder politischen Inhalten.

Und umgekehrt: Wenn auf diesen Plattformen tatsächlich Nazis und Hetze auftauchen, passiert erstaunlich oft gar nichts. Weil Wut Klicks bringt und Klicks Geld.

Es geht auch anders

Die gute Nachricht ist, dass in den letzten Jahren eine ganze Menge entstanden ist, das ohne Konzern auskommt. Viele dieser Dienste werden von Vereinen betrieben, von Kooperativen oder einfach von Leuten, die das in ihrer Freizeit machen. Sie sind meistens Open Source, also kann jeder reinschauen, wie sie funktionieren. Und manche davon sind inzwischen so gut, dass man sich fragt, warum man nicht schon früher umgezogen ist.

Bevor es in der nächsten Folge richtig losgeht, ein paar Begriffe, über die du in der Serie immer wieder stolpern wirst.

Das Fediverse ist ein Verbund aus tausenden unabhängigen Servern, die sich über ein gemeinsames Protokoll unterhalten. Am einfachsten verstehst du es, wenn du an E-Mail denkst. Du kannst bei Posteo sein und trotzdem jemandem bei Web.de schreiben. Im Fediverse ist es genauso: Du kannst einen Account auf einem Mastodon-Server haben und trotzdem jemandem folgen, der auf einem ganz anderen Server sitzt, und sogar Leuten, die Fotos auf Pixelfed teilen oder Videos auf PeerTube hochladen. Niemand besitzt das Ganze. Niemand kann es kaufen. Musk hätte mit seinen 44 Milliarden nichts anfangen können.

Eine Instanz ist einer dieser Server. Manche sind riesig und allgemein, manche klein und auf ein Thema oder eine Region ausgerichtet. Jede Instanz macht ihre eigenen Regeln und hat eigene Admins, die man meistens direkt anschreiben kann. Wenn dir eine Instanz nicht mehr passt, ziehst du um und nimmst deine Follower mit. Versuch das mal bei Instagram.

Selbsthosten heißt, dass du einen Dienst auf eigener Hardware laufen lässt. Klingt nach Nerdkram, ist aber im Grunde die digitale Version vom eigenen Gemüsegarten hinterm Haus. Ein Raspberry Pi für ein paar Euro reicht oft schon, um die eigene Musiksammlung ins Netz zu stellen oder einen Veranstaltungskalender für deine Stadt zu betreiben. Ich zeige in der Serie auch, wie das geht.

Und was ist mit Bluesky?

RamTatTa ist auch auf Bluesky, und ich will hier nicht so tun, als wäre das automatisch die saubere Lösung. Bluesky ist deutlich angenehmer als X, keine Frage. Viele Bands, Labels und Journalist:innen sind dort hingezogen, die Stimmung ist entspannter, und es gibt bisher keinen Milliardär, der alle zwingt, seine Posts zu lesen.

Aber Bluesky ist eine Firma, die mit Risikokapital finanziert wird. Und Risikokapital will irgendwann Geld sehen. Das Netzwerk basiert zwar auf einem offenen Protokoll, und theoretisch kannst du deine Daten auch bei einem anderen Anbieter oder auf einem eigenen Server ablegen. In der Praxis lagen Anfang 2026 aber rund 99 Prozent aller Accounts auf der Infrastruktur von Bluesky selbst, und fast alles läuft über einen zentralen Knoten, den die Firma betreibt (Quelle).

Es gibt Leute, die daran etwas ändern wollen. Das Projekt Blacksky betreibt inzwischen eigene Server, eigene Moderation und eine eigene App, die mit Bluesky zusammenarbeitet, aber nicht auf Bluesky angewiesen ist (Quelle). Das finde ich spannend. Trotzdem: Stand heute ist Bluesky eher ein netteres Twitter mit eingebautem Notausgang als ein Netz, das wirklich niemandem gehört. Den Notausgang sollte man kennen, bevor es brennt.

Was als Nächstes kommt

In der nächsten Folge fange ich bei den Kurznachrichten an, also X, Threads, Mastodon und Bluesky im direkten Vergleich. Dann geht es um Reddit und die Frage, wo man eigentlich noch vernünftig in Foren diskutieren kann. Danach nehme ich mir Meta vor: Wie lädt man zu Veranstaltungen ein, ohne Facebook? Was macht man mit der Facebook-Seite, die eh niemand mehr sieht? Gibt es ein Instagram ohne Werbung und Algorithmus? Wohin mit Videos, wenn nicht zu YouTube? Und wer verdient eigentlich an der Musik, die du auf Spotify hörst?

Später schaue ich mir Bandcamp-Alternativen an, Livestreams, Messenger für Familie, Freundeskreis und Verein, E-Mail und Cloud, Suchmaschinen und Karten, und zum Schluss, wie man Künstler:innen, Projekte und kleine Medien direkt unterstützt, ohne dass sich Patreon ein Stück vom Kuchen abschneidet.

Bequemlichkeit ist keine Ausrede

Ich mache mir da nichts vor. „Da sind halt die Leute“ ist genau das Argument, mit dem diese Konzerne alle festhalten. Es klingt vernünftig, und kurzfristig stimmt es ja auch. Aber jeder Account, jeder Post, jede Veranstaltung auf Facebook ist ein weiterer Grund für die nächste Person, auch dort zu bleiben. Wer da mitmacht, füttert genau die Maschine, über die ich mich hier aufrege. Das gilt auch für mich. RamTatTa ist auf Facebook, Instagram und Threads, und ich halte das nicht für einen vernünftigen Kompromiss, sondern für einen Fehler, den ich korrigieren will.

Diese Plattformen brauchen dich. Du brauchst sie nicht. Du kannst heute anfangen: Leg dir einen Mastodon-Account an, trag Veranstaltungen in einen freien Kalender wie der Knox Punkkonzerte Datenbank ein, hol deine Familie zu Signal. Hör auf, bei Facebook und Instagram zu posten, was du genauso gut woanders posten kannst. Und solange du dort noch nicht ganz rauskommst, nutz sie nur noch als Wegweiser nach draußen, mit einem Link zu dem Ort, an dem du wirklich zu finden bist. Die Leute ziehen dahin, wo die Leute sind. Irgendwer muss anfangen. Warum nicht du?

Du hast schon Erfahrungen mit einer Alternative, die in der Liste fehlt? Du bist mit deinem Verein, deiner Firma oder deiner Band schon umgezogen und du willst erzählen, wie das lief? Oder du findest, dass das Alles ganz anders ist? Schreib mir.

Nächstes Mal: Kurznachrichten ohne Milliardär.

von aaaaaprvdgrwwelt · 09.10.2026

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